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Fragwürdige Zensur(surla)

Verfasst von tzs am 25. April 2009 - 15:15.
Screenshot Stoppschild Kinderporn-Seiten"Kinderporno" als Totschlag-Argument: Unter dem Vorwand, Pornos und also sexuellen Missbrauch von Kindern zu unterbinden wollen Bundesfamilienmini Ursula von der Leyen und diverse Webseiten-Hoster eine sichtbare Zensur einführen. Das Vorhaben scheint sehr fragwürdig, wird doch so vor allem der Bürger entmündig, die sachliche Diskussion nahezu unmöglich gemacht: Durch das Argument, gegen Kinderporno vorzugehen, wird der Eindruck erweckt, dass alle Gegner dieser Zensur für den Missbrauch von Kindern sind. Das ist jedoch sicher nicht der Fall. Vielmehr geht es den Gegnern darum, nicht entmündigt zu werden. Denn die Kriterien, nach denen entschieden wird, welche Webseiten unerreichbar sein sollen, werden ebensowenig veröffentlicht, wie die Listen der gesperrten Seiten: Würde vielleicht schon MySpace gesperrt, sobald dort jemand sein eigenes Kinderfoto mit nackten Eltern am Nacktstrand veröffentlichte? Es bleibt der Verdacht, dass Zensur und Überwachung einmal mehr hoffähig gemacht werden sollen.

 

Dies Sperre ist angeblich auch zum Schutz derer gedacht, die versehentlich auf Kinderporno-Seiten gelangen. Ende April 2009 wurde bekannt, dass mitgeloggt, erfasst und nachverfolgt werden soll, wer zu den gesperrten Seiten surft. Der geschützte versehentlich "sich verlaufende" Surfer als Verdächtiger? Und: Wie oft sind Sie schon aus versehen auf einer Kinderporno-Seite gelandet? Haben diese versehentlich Vorbeisurfenden sich bisher registriert, eingeloggt und gezahlt – und damit das Kinderporno-Geschäftsmodell gefördert? Oder sind das nicht jene,  die gezielt suchen und also auch weiterhin die gesperrten Seiten erreichen werden, da Proxies & Co. auch dem Laien verständlich sind. Wird vielleicht diese Site demnächst gesperrt, weil hier mehjrfach das Wort "Kinderporno" fällt?

Dagegen ist es kein Problem, insb. an Outlook-Nutzer, eMails zu versenden, die massenweise Webadressen/URLs abrufen, sobald der Empfänger die eMail ansieht; dies könnten dann solche gesperrten URLs sein – und schon ist der eMail-Empfänger verdächtig. Ebenso betroffen sind Unschuldige, die sich einen "Wurm" (Virus) eingefangen haben, der solche Seiten ansurft. Wer nur versucht, nachzuvollziehen, welche Seiten das Bundeskriminalamt sperren lässt, macht sich ebenso verdächtig. Auch können andere Surfer mit Zusatzprogrammen falsche IP-Adressen vorgeben/aufweisen, so dass dann z.B. Sie die/der Verdächtige sind, da Ihnen die vorgebliche IP-Adresse im fraglichen Moment zugeoprdnet war.

Zudem sind offfenbar zahlreiche Websites, die Kinderpornos veröffentlichen, in Staaten mit funktionierenden Rechtssystemen gehostet - es wäre also für BKA & Staatsanwaltschaft nicht schwierig, diese Seiten direkt vom Netz nehmen zu lassen und gegen die Betreiber rechtsstaatlich vorzugehen. Ein Test der Kinderrechtsorganisation Care-Child anhand dänischer Webseiten-Sperrlisten hat dies ergeben.

Die Aktion von Ursula "Zensurslua" von der Leyen ist also demokratie-feindlichster Populismus.

Nur einen Vorteil hat ihre Aktion: Dadurch, dass die gesperrten Adressen durch ein Stoppschild gekennzeichnet werden, wird uns Bürgern deutlich, dass es auch in Rechtsstaaten eine aktive Zensur gibt. Als ob wir nicht imstande wären, uns selbst eine Meinung zu bilden, als ob wir zu inkompetent wären, fragwürdige Internet-Inhalte – wie etwa auch Nazi-Webseiten – nicht zu erkennen und selbst beurteilen zu können. Das Verstecken, das Vorenthalten von unliebsamen Informationen, also jede Art von Zensur ist eine Entmündigung der Bürger. Hier soll die Demokratie mit undemokratischen Mitteln "verteidigt" werden.

Demokratisches Engagement, das Funktionieren einer modernen Gesellschaft, wird stark gefährdet, wenn sich jeder vor Strafverfolgung fürchten muss, der die falsche Internet-Adresse aufruft, die falsche Telefon-Nummer anruft… Selbst wenn nach einer solchen Strafverfolgung der Einzelne vom Verdacht frei gesprochen  wird, wurde er erheblich geschädigt: der Ruf, die Polizei vor der Wohnungstür, der Verdacht allein, der eingezogene Computer, aber auch der bürokratische Stress können für viele Grund genug sein,  lieber den Duckmäuser zu geben - in der Hoffnung, nur einfach nicht aufzufallen. Aristoteles' Politica bleibt gültig: Aus jedem politischen System wird ein anfderes hervorgehen, keines wird bestand haben, da es von seinen eigenen Akteuren ("Politikern") beseitigt wird – hier offenbar durch genau jene Handlungen, die offiziell dem Erhalt dieses (demokratischen) Systems dienen sollen.

Quellen:

Aktionen gegenZensur und Überwachung

UPDATE, Radio 1 am 16.6.'09: "Martina Krogmann, Verhandlungsführerin der CDU/CSU Bundestagsfraktion in Sachen Internetsperre und Alvar Freude vom Arbeitskreis gegen Internetsperren und Zensur...", (http://www.radioeins.de/programm/programmbeitraege/20090616/schutz_und_z...)als mp3 s.u.
AnhangGröße
20090422_heise_iNetKonderpornoSperren.pdf102.32 KB
RedeUvdLeyenZurWebSeitenSperre200903.pdf103.77 KB
20090616_Radio1_iNetSperren_0710_internet-2.mp34.06 MB
siehe auch
Verfasst von Gast am 5. November 2009 - 13:40.

siehe auch www.dubistterrorist.de - gute Informations- und Linksammlung

Entschieden
Verfasst von Gast am 18. Juni 2009 - 21:14.

Am 18.6.2009 haben SPD und CDU einen weiteren Schritt hin zur Zensur beschlossen: Webseiten können gesperrt werden, wer sie aufruft wird registriert - und macht sich per se verdächtig, ganz gleich, ob diese Daten nicht vor Gericht verwendet werden dürfen.

Woher sollen wir Bürger - spätestens seit Schily und Schäuble noch Vertrauen zu einer Regierung haben, die uns für dumm, inkompetent und nur per Zensur schützbar hält? Ja, entgegen all der regierungsseitigen Schönrederei: es bleibt Zensur. Demokratie heißt auch, dem Bürger Verantwortung und Kompetenz zu überlassen, anstatt sie inkompetent an sich zu reißen. Denn sicher ist: ihnen werden bald noch mehr Dinge einfallen, die sie sperren werden wollen. Offenbar sollten all die Lehrer und Juristen mal ein wenig Nachilfe in Soziologie und Politik nehmen, Fachwissen würde ihren Mitarbeitern auch nicht schaden. Medienkompetenz ist etwas, dass die gesellschaft lernen muss - und allen voran die bundespolitsichen Entscheidungsträger.
Eine Hoffnung bleibt: Bisher hat jeder zensierende Staat sein eigenes Grab geschaufelt, ein Neuanfang folgte...

gegen Überwachung
Verfasst von tzs am 25. April 2009 - 21:29.

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