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Für Sterbehilfe gestorben?

Verfasst von waj am 21. März 2008 - 1:49.
Chantal Sebire ist gestorben – und bewirkt vielleicht weitreichende gesellschaftliche Veränderungen. Screenshot der lejdd.frEs wird davon ausgegangen, dass die Französin, die an einem unheilbaren Gesichtstumor litt, eines natürlichen Todes starb. Sie hatte in den vergangenen Tagen geplant, Sterbehilfe in der Schweiz in Anspruch zu nehmen.
Das Thema Sterbehilfe wird bereits lange diskutiert, steht die Frage nach der Achtung, Wert und Verpflichtung des (eigenen) Lebens dahinter, aber auch die Frage nach dem selbstbestimmten Leben, und auch Sterben. 

 

Der Tod von Chantal Sebire bringt nun zumindest in Frankreich Bewegung in die Diskussion. Auf politischer Ebene soll nach Alternativen zum gegenwärtigen Verbot der Sterbehilfe nachgedacht werden. Vielleicht wird Chantal Sebire zu einer der Heldinnen der Bewegung.

 

  Was spricht für die Sterbehilfe?

Vor allem die Sichtweise der Betroffenen.  

  • Selbstbestimmung: unheilbar Kranke können Ihrem Leiden eine Ende bereiten, sie bestimmen selbst über ihr Leben – und das Maß der Schmerzen, dass zu ertragen sie bereit sind.
  • Suizid-Willige werden professionell und (freundschaftlich) auf ihrem endgültigen Weg begleitet, sie sterben nicht allein. 
  • Es können Beratungen vorgeschrieben werden, die es Suizid-Willigen ermöglichen, sich doch noch für das Weiterleben zu entscheiden, Lebenswege zu finden.

Was spricht gegen die Sterbehilfe?

Die gesellschaftliche Sicht. 

  • Ethik, kulturelle Tradition und Gewohnheiten: Sollten Menschen das Recht haben, über Leben und Tod zu entscheiden?
  • Wird Suizid mit der Sterbehilfe künftig als zulässige Problemlösung betrachtet?
  • Sollte Suizid nicht eher eine schwere Entscheidung bleiben, die ausschließlich der Betroffene allein fällen können darf?
  • Wie groß ist die Gefahr der Beeinflussung, der Manipulation – wie einfach wäre es einem Erben, der Großmutter das Leben zum Graus zu machen?
  • Wohin führt Sterbehilfe in einer "alternden" Gesellschaft, was, wenn eines Tages sich eine Tendenz durchsetzen würde, pensionierte Senioren als gesellschaftliche Last zu empfinden – wie schnell würde dann ein Sterbewunsch akzeptiert?


Wäre es nicht bequem, angesichts erschütternder Fälle die Sterbehilfe zu vereinfachen, anstelle diese zum Anlass zu nehmen, Schmerz- und medizinische Forschung zu forcieren? Die Fragen und Sichtweisen zur Sterbehilfe kreisen zwangsläufig auch um das Recht zum Selbstmord. Vor allem verlangen sie aber den weisen Blick in die Zukunft; eine politische Entscheidung, die nur aufs Heute zielt, hilft niemandem, denn es sind die Entscheidungen von heute, die die Sichtweisen von Morgen herbeiführen.

 

zu Chantal Sebire:

www.welt.de/vermischtes/article1819744/Entstellte_Frau_tot_in_Wohnung_au... www.lejdd.fr/cmc/societe/200812/sebire-de-douleur-a-trepas_104579.html

20.März 2008

 

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