Mehrere der Demonstranten in verschiedenen Städten Europas versuchten, die Fackel des olympischen Feuers zu löschen. Nicht nur der IOC-Präsident J. Rogge interpretiert das als Angriff gegen die Symbolik des Feuers: Es stehe für Freiheit, Frieden, Verständigung (was nur teilweise stimmt) – darum sei es unangebracht, das Feuer zu löschen.
Worum es den Demonstranten wohl eher geht, ist, dass sich ebendieses Symbol in den falschen Händen befindet. Es sind Offizielle des chinesischen Regimes, die die symbolische Flamme durch die Welt tragen lassen; nebensächlich, dass sich europäische Sportler dafür hergeben.
Zöge die Fackel ungestört durch die Welt, unbehelligt von nur kleinen Demonstrationen am Rande, hätte Chinas Regime also ein Symbol erfolgreich besetzt, das ihm ebenso wenig gebührt wie Tibet. Nicht zu vergessen, dass sich der Protest auch dagegen wehrt, dass eine Olympia-Fackel durch und über Tibet leuchten soll, während eine "Schwester" durch das Reich der Mitte getragen werden soll. Zum Beginn der Spiele sollen die beiden Flammen wieder vereinigt werden.
Ein Boykott der olympischen Spiele scheint weder umsetzbar noch sinnvoll. Denn es ist schon jetzt den Spielen zu verdanken, dass sich die westliche Welt umfassender mit chinesischer Politik und Repression beschäftigt, dass westliche Bürger ihre Regierungen drängen, ihren Umgang mit der fernöstlichen Diktatur zu überdenken. Die Spiele werden es verantwortungsvollen Journalisten, freiheits-bemühten Bloggern, Chinesen und Tibetern ermöglichen, informelle und Informationsnetzwerke aufzubauen. Wenn schon die chinesische Regierung ihr Informations-Monopol im eigenen Land aufrecht erhalten kann, dann müssen vor allem erst einmal Informationen aus China heraus kommen. Dann lässt sich auch an Aufklärung in der Mitte des Reiches denken.
Daten und Orte des olympischen Feuers 2008
- 24.3. Olympia, Griechenland
- deutliche Proteste beim feierlichen Entzünden, Fahnen mit Handschellen als Olympia-Ringen werden hinter den Protagonisten und unter Zuschauern hochgehalten, das chinesische TV blendet die Proteste aus.
- 31.3. Peking, China.
- 2.4. Almaty, Kasachstan.
- 3.4. Istanbul, Türkei.
- 5.4. St. Petersburg, Russland.
- 6.4. London, GB
- Versuch, sie Flamme mit einem Feuerlöscher zu löschen.
- 4.7. Paris, Frankreich
- chinesische Begleiter löschen die Fackel nach starken Protesten, die Hauptflamme befindet sich in einem Begleitfahrzeug, Reporter sans Frontiers befestigen das Handschellen-Poster am Eiffel-Turm, Parlamentsabgeordnete und die Grünen in der Stadtverwaltung protestieren, das chinesische Fernsehen schaltete auf Archiv-Bilder von Paris um.
- 9.4. San Francisco, USA
- 11.4. Buenos Aires, Argentinien.
- 13.4. Dar es Sallam, Tansania.
- 14.4. Moskat, Oman.
- 17.4. New Dehli, Indien.
- 19.4. Bangkok, Thailand.
- 21.4. Kuala Lumbpur, Malaysia.
- 24.4. Canberra, Australien.
- 26.4. Nagano, Japan.
- 27.4. Seoul, Süd-Korea.
- 28.4. Pyongyang, Nord-Korea.
- 29.4. Ho Chi Minh Stadt, Vietnam.
- weitere Orte/Route und Daten der olympischen Fackel auf Google: maps.google.com/help/maps/torchrelay
Weitere Infos:
- siehe auch auf Smart-Chaos.net:"Was tun mit China?"
- Reporter ohne Grenzen:
- Mehr & Hintergründe im "amnesty journal" 5/2008 (AI)
- die üblichen Medien...
Friedenssymbol aus Nazi-Zeiten
Die Olympische Flamme ist alles andere als ein unantastbares Symbol: Die Werte, die sie repräsentiert, stammen aus der Historie der olympischen Spiele. Die Reise einer Fackel aber haben die deutschen Nationalsozialisten, namentlich J.Goebbels, für die Spiele 1936 erfunden. Zuvor war 1928 erstmalig ein olympisches Feuer in Amsterdam angezündet worden.




Neue Züricher Zeitung: www.nzz.ch/nachrichten/panorama/die_olympische_fackel_durchquert_tibet_1...
und Xinhua China News: www.xinhua.de/index.php?entry=entry080621-194221
Südddeutsche Zeitung: http://newsticker.sueddeutsche.de/list/id/59323
Derweilen machen "Reporter ohne Grenzen" auf die fortdauernde Behinderung ausländischer Journalisten in China ausmerksam, bestimmte Regionen sind demnach für Journalisten nicht zugänglich.
www.reporter-ohne-grenzen.de/presse/pressemitteilungen/news-nachrichten-...
Die NZZ berichtet, dass Amnesty International von China Informationen über den Verbleib von 1.000 Tibertern verlangt, die während der Unruhen im März verschunden seien. ( www.nzz.ch/nachrichten/panorama/amnesty_china_tibet_1.763529.html ) Dies steht im Widerspruch zu den offiziellen Zahlen von 21 Toten.
NZZ-Dossier China www.nzz.ch/magazin/dossiers/chinas_problem_mit_tibet_2.45313