Kriege bringen Geld. Staaten leisten sich Kriege, um sich zu bereichern. Kriege als Wirtschaftsunternehmen? Nein, sie sind erstmal nur eine Subvention eines Staates für bestimmte Industriezweige.
Das Produkt der Investitionen sind Erfindungen und Entwicklungen, die teilweise dem zivilien Sektor zugute kommen werden. Vor allem aber sind es teure Waffen. Insofern haben die Waffenindustrie und entsprechende Technologiekonzerne ein Interesse an Kriegen. Sie nehmen damit eine ähnliche Position ein, wie private Armeen, Söldnerheere: Sie müssen daran interessiert sein, die Krieg am Laufen zu halten.
Der kriegführende Staat zahlt jedoch drauf. Darum müsste es im Interesse der Waffenindustrie sein, eine bestimmbare kritische Grenze nicht zu überschreiten: wenn nämlich die Kosten die Krieges die wirtschaftliche Existenz des Kunden gefährden, den kriegsführenden Staat, in dessen geschütztem Raum die Industrie forscht, entwickelt und baut.
Kurzfristig mag die Investition eines Staaten in die Waffenindustrie die Wirtschaft eines Landes anheizen: mehr Arbeitsplätze, die Angestellten bauen Häuser und kaufen teurere Produkte, machen sich mit eigenen Unternehmen selbständig, die wieder neue Arbeitsplätze generieren. Ebenso könnten die Subventionen aber auch in andere klassische Aufschwungssektoren fließen: Bauprogramme etwa. Doch ist die Waffenindustrie zwangsläufig dankbarer: Sie verlagert ihre Produktion nicht so ohne weiteres ins Ausland, aus geheimhaltungs- und sicherheitsgründen.
Letztlich sind die Kriegskosten im eigenen Land aber nur eine Subvention wie jede andere auch, die sich aus Steuergeldern speist und also nur sinnvoll für den Staat ist, wenn diese Subvention dazu führt, dass weitere Unternehmen profitieren, investieren und ihre Produkte gewinnbringend exportieren. Die Subventionen in die eigene Waffenindustrie ist also nur sinnvoll, wenn sie letztlich zu höheren Steuereinnahmen führt, sich also rechnet.
Durch den Krieg selbst verdienen die Staaten kein Geld, dazu sind moderne Armeen und Waffen zu teuer. Zumal dem Krieg erst einmal der Wiederaufbau der Kriegsregion folgt, also Investitionen des "Sieger"-Staates im "Verlierer"-Staat notwendig sind. Um von den eigenen Investitionen zu profitieren müssten Unternehmen des "Sieger"-Staates im "Verlierer"-Staat aktiv sein, was aber nur bis zu einer bestimmten kritischen Menge möglich ist; darüber hinaus würde die Bevölkerung dies als Okkupation begreifen und sich wehren. Es würde also die Stabilität in der Region gefährdet, die Grundlage für jegliche Investitionssicherheit ist.
Kein Krieg der vergangenen hundert Jahre, kaum eine Okkupation oder Kolonialisierung der vergangenen Jahrhunderte hat und hätte sich gerechnet: Die Kolonialstaaten haben zuletzt mehr in ihre Kolonien hineingepumpt, als sie je herausgeholt haben. Die Weltkriege und der Vietnamkrieg hat wirtschaftliche Krisen zur Folge, nicht zuletzt weil die Kriegsakteure Geld druckten bis die Pressen heiß liefen und daher das Papiergeld keinen realen Gegenwert mehr hatte. Dass in den USA noch keine späktakuläre Inflation ausgebrochen ist, wird wohl am ehesten daran liegen, das die FED seit einigen Jahren nicht mehr öffentlich bekannt gibt, wieviele Dollar im Umlauf sind: Dadurch kann nicht verglichen werden, ob die existierenden Dollar in einem wirtschaftlich vernünftigen Verhältnis zur Produktion, zum materiellen Wert der USA steht.
Mindestens drei Billionen Dollar habe der Irakkrieg bisher gekostet (Spiegel 12/2008), das entspräche 30 Milliarden Barrel Öl; fünf bis zehn Prozent der weltweit noch förderfähigen Öl-Reserven oder 30 bis 70 Prozent der irakischen Reserven. Soweit es um Öl geht, steht möglicherweise die Absicherung der Versorgung im Vordergrund. Aus wirtschaftlicher Sicht kann dies nur sehr langfristig Sinn machen, wenn nämlich zum Ende der Ölreserven tatsächlich keine nennenswerten Energie-Alternativen zur Verfügung stehen und das Öl der "Verlierer"-Region dann immernoch und tatsächlich in der Hand der "Sieger" ist. Nur dann kann sich die Investition in den Krieg gelohnt haben, eine waghalsige Investition, die selbst heute noch kaum ahnbare Öl-Preise fordern würde, damit sich die bisherigen und künftigen Öl-Kriege amortisierten. Eine Investition, die voraussetzt, dass der Mangel an Öl wirtschaftliche Einbußen mit sich bringt, die die Kriegskosten übersteigen. Dies ist angesichts der exorbitanten Kriegskosten und folgend notwendigen Aufbau-Investitionen eher unwahrscheinlich, zumal etwa für den Irak die USA auch künftig nicht der einzige Kunde sein wird.
Es hat in der Geschichte kaum einen Krieg gegeben, der sich wirtschaftlich gerechnet hat, dessen Wirtschaftlichkeit belegbar war, der für auch nur einen der Kriegsteilnehmer Gewinne einbrachte; weder mittelbar noch unmittelbar. Und diese Wahrscheinlichkeit sinkt mit dem Ansteigen der (unmittelbaren) Kriegskosten. Staaten gewinnen nicht, Bürger zahlen mit ihren Steuern d'rauf, Kriege sind innerstaatlich nur eine wirtschaftsfördernde Subvention wie andere auch, deren nicht garantierter Erfolg nur temporär sein kann und zulasten des "Verlierer"-Staates sowie zulasten der eigenen steuerzahlenden Bevölkerung des "Sieger"-Staates geht.



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