Jetzt haben die bundesdeutschen Minister den "Armutsbericht" abgesegnet, nachdem er in den vergangenen Monaten korrigiert wurde. Jeder achte Deutsche (13%) ist demnach "arm", ohne Sozialleistungen wäre es jeder vierte (25%): Das sind ein Viertel aller Deutschen, die höchstens(!) über 60% des durchschnittlichen Einkommens verfügen, d.h. weniger als rund 780 bzw. 900 Euro/Monat.
Die Kritik der Politik: Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2005. Inzwischen gebe es weniger Arbeitslose und daher auch weniger Arme.
Diese Kritiker sollen froh sein, dass die Zahlen aus 2005 stammen. Denn seither dürfte die Armut eher gestiegen sein, vor allem unter Berücksichtigung der Preisentwicklung und also Kaufkraft bzw. des Realwertes des Geldes. Während Gehälter (Tarifabschlüsse) in Deutschland im Jahr 2007 um 2,3% stiegen, stiegen die Preise um über drei Prozent. Das Realeinkommen sank also um mindestens 0,7 Prozent. Die Bundesregierung konstatierte ein Sinken des Realeinkommens immerhin um 0,5 Prozent.
Jedoch: Wen interessiert die sinkende Kaufkraft in einem Land, das vom Export lebt, nicht vom Binnenkonsum? Anders in Frankreich, wo die Kaufkraft hervor ragendes politisches Thema ist, da die dortige Wirtschaft stärker vom landesinternen Konsum lebt.
EU-weit liegt die Inflation bei 3,7 Prozent. Wenn dies auch vornehmlich auf den spekulationsbedingt rapide steigenden Öl-Preis zurückzuführen sei, betrifft diese Preissteigerung dennoch nicht nur Autofahrer: Für den Transport und Plastik(-Verpackungen) von Lebensmitteln und den meisten anderen Produkten werden ebenfalls Öl-Produkte benötigt, was sich also auf den Preis von Lebensmitteln auswirkt. Und die Preise werden weiter steigen, prognostiziert der europäische Notenbank-Chef Trichet.
Im Jahr 1996 gab es in Deutschland einen Liter Diesel noch für 99 Pfennig, heute kostet er rund 1,50 Euro, also das dreifache. Was um die Euro-Einführung eher eine "gefühlte Inflation" war ist über die vergangenen zehn Jahre wohl Realität: Preise haben sich mehr als verdoppelt. Aber wer damals 3.000 Mark monatlich verdiente, hat für den gleichen Job heute wohl kaum 3.000 Euro auf dem Gehaltszettel, schon gar nicht im unteren Bereich der Gehälter-Skala. Wer in den 90ern eine Lebensversicherung Abschloss, monatlich rund 30 Euro einzahlt und nach 20 Jahren rund 20 Prozent Rendite/"Zinsen" erhält, macht im Realwert jährlich ein bis zwei Prozent Verlust.
Rund 18% der Deutschen waren im Jahr 2006 arm, schätzen die Mitarbeiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Quellen:
- Zahlen und zur statstischen Erhebung: http://www.swr.de/nachrichten/-/id=396/nid=396/did=3667532/rcf97m/
- Teuerung & Inflation im EU-Raum: www.welt.de/welt_print/article2147536/Trichet_Teuerung_bleibt_bis_2009_h...
- Inflation in Deutschland:
- www.ftd.de/politik/deutschland/:Folgen%20%D6lhausse%20Deutschland%20Infl...
- Armutsbericht vs. Inflation: www.zeit.de/online/2008/26/Armutsbericht
- Statistisches Bundesamt: "Gefühlte Inflation": www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/P...



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