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Thesen zu Neuem und Altem Terrorismus (wiss.)

Verfasst von tzs am 12. Juli 2008 - 16:04.

Die Versuche, Terrorismus zu definieren und von Krieg oder Paramilitärischem oder organisierter  Kriminalität abzugrenzen, sind stark uneinheitlich und umstritten. Eine Sammlung von Überlegungen, Thesen und Fragen...

in Kürze: Klassischer vs. Neuer Terrorismus

  • klassisch: theoretisch erfassbare vorab definierte Ziele, lokale Phänomene, geht als Teil einer politischen Bewegung aus ebendieser hervor;
  • neu: Entstehung in Folge eines Krieges, begleitende soziale, politische oder gesellschaftliche Bewegungen entstehen im Rahmen der kriegerisch-terroristischen Aktivität, vage Ziele zugunsten flexibler Selbstlegitimation, Differenz zwischen unmittelbaren Zielen der
    • Hintergrund-Akteure: Selbstzweck des Terrorismus, Eigensicherung;
    • unmittelbar Handelnden: Glaube an die offiziellen vagen Ziele.

 _____________________________

Kapitel

 

Terrorismus & Medien 1/3

  Terroristische Aktionen zielen auf Massenwirksamkeit. Denn erst dadurch, dass sie von den Massenmedien verbreitet werden, können weite Kreise der angegriffenen Bevölkerungsgruppe verunsichert werden. Ohne Medien erführen ja nur die unmittelbar Betroffenen vom jeweiligen Anschlag.
Andererseits wird es den Angegriffenen durch die journalistische Auswertung erst ermöglicht, zu verstehen, gegen wen sich die restriktiven Reaktionen ihrer Regierungen wenden. Selbst wenn sie, die ursprünglich angegriffene Bevölkerung, von den Anti-Terror-Aktionen negativ betroffen sind, können sie einsehen, dass diese ja nicht gegen sie gerichtet sind. Das klassisch-terroristische Ziel, die reagierenden Regierungen als die Übeltäter gegenüber der Bevölkerung bloß zu stellen, wird also durch die Präsenz der Terroristen in den Massenmedien umso schwerer erreichbar. Ja, im Gegenteil: Dank dem Terrorismus dürfte es Regierungen leichter fallen, Restriktionen auch gegen die eigene Bevölkerung durchzusetzen, die diese als Terrorismus-Bekämpfung hinnimmt – aber ohne die Gefahr terroristischer Anschläge nie akzeptiert hätte. Dies wird besonders deutlich auf Aufweichen jeglichen Datenschutzes in der westlichen Welt, dem Quasi-Zusammenführen von Polizei und (Inlands-)Geheimdienst.
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Terrorismus & Medien 2/3

Die Industriestaaten der westlichen Welt halten die Medienhoheit. Es sind meist die stärkeren und wohlhabenderen Staaten und institutionalisierten Organisationen, in deren Räumen die massenwirksamen Medien ihre Wurzeln, Basen und Einnahmen haben. Umgekehrt haben also die weniger wohlhabenden Gruppierungen, Staaten oder Bewegungen nicht die Mittel, sich gleichermaßen wirksam mitzuteilen, Identität zu schaffen, Informationen zu transportieren (siehe bspw.: Amnesty International Journal 01/2008: insb. Israel vs. Palästina oder die “embedded journalists” im US-Irak-Krieg).
Mit terroristischen Anschlägen sichern sich kriegerische Akteure einen attraktiven Platz in diesen Medien. Um auf Platz Eins der Nachrichten zu bleiben, müssen sie die Intensität ihrer Anschläge steigern. Seit dem 11.9.2001 hat es etwa eine ETA schwer, über Spaniens Grenzen hinaus medienmäßig präsent zu sein.
Wäre es eine wirksame Anti-Terrorismus-Strategie, Minderheiten grundsätzlich mehr Medien-Aufmerksamkeit zu widmen, die etablierten Medien stärker zu ausgewogener Recherche zu zwingen? Oder sollte, im Gegenteil, die westliche Medienfreiheit eingeschränkt werden, damit über Anschläge gar nicht erst berichtet würde – wodurch diese nur auf kleine Räume wirken könnten?

 

Terrorismus & Medien 3/3

Übernehmen westliche Medien unfreiwillig die Kommunikation unter Terroristen?

Einerseits fördern die modernen Möglichkeiten der schnellen weltweiten Kommunikation den Neuen Terrorismus; die PR-Wirkung ist schnell wie nie zuvor. Bereits über das Verbreiten von ausgeführten Anschlägen wird die Aufforderung zu neuen vergleichbaren Taten transportiert; für deren Interpretation sorgt dann schon die westliche Medienwelt. Die starke Medien-Präsenz des “internationalen Terrorismus” erleichtert es ihm, mit möglichst geringem strukturellen Aufwand zu agieren, Hierarchien weitgehend zu vermeiden, ja sogar die Verknüpfung von Zellen wird unnötig. Zur Organisation und Abstimmung von Anschlägen in der “westlichen Welt” genügt die Folge jener Taten, die weltweit medienmäßig verbreitet werden. Hin und wieder noch ein zweifelhaftes Video – und fertig ist der Rekrutierungs- und Abstimmungsprozess unter potentiellen Terroristen.
Zugespitzt lässt sich die These aufstellen: Virtuelle Gruppen à la “al quaida” benötigen kaum interne Abstimmung; vielmehr können sie die Übermittlung von Informationen ihren vermeintlichen Gegnern überlassen. Die Propaganda vor Ort, in ihrem lokalen Bereich, genügt. Für den Rest sprechen die erfolgten Anschläge.
Die weltweite Medien-Präsenz terroristischer Akte motiviert also Nachahmer und bewirkt indirekt weitere Anschläge, es erleichtert und automatisiert vor allem die Kommunikation unter potentiellen Terroristen.
Andererseits könnte es auch sein, dass die weltweite Medienpräsenz die Anzahl der Anschläge geringer hält. Denn würde nur lokal berichtet, wäre die Aufmerksamkeit nicht weltweit stark gegeben, könnte es terroristischen Strategen sinnvoll erscheinen, an vielen verschiedenen Orten Anschläge verüben zu lassen.
Schlussfolgerung: Sollten Journalisten nach diesen Gedankengängen entscheiden, ob sie über Anschläge berichten? Nein, die Informationsfreiheit darf nicht eingeschränkt werden. Schlimm genug, wenn schon mitunter der Eindruck entsteht, dass Behörden einzelner Länder bestimmte Ereignisse herunterspielen, wenn der Verdacht nicht ausgeräumt werden kann, dass irgendein “kleiner Zwischenfall” nicht doch Folge eines Anschlages war (explodierende Fabriken in Belgien, landesweite Stromausfälle in Nordamerika, Frankreich, Europa). Hilfreich wäre aber eine (selbst)kritische Kommentierung und Analyse durch Journalisten.
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Neuer Terrorismus als PR-Kampagne

Wenn bei den transnationalen Terror-Organisationen kein klares Ziel auszumachen ist – worin kann dieses dann bestehen? Im Selbstzweck? In der Alimentierung privater Heere, v.a. soweit sie aus Zeiten der Ost/West-Stellvertreter-Kriege stammen und nunmehr arbeitslos wären?
In diesem Fall wären die großen Anschläge seit 2001 wohl eher als (erfolgreiche) PR-Aktionen zu sehen, durch die jeder, der sich “al quaida” zu nennen wagt, sein Einkommen zu sichern vermag: nämlich durch jene, denen die vage Ideologie des “Contra” zur zustimmenden Begeisterung genügt, aber auch durch Schutzgelder von Unternehmen in den Heimatregionen der Terroristen sowie durch die Rekrutierung neuer Akteure und Nachahmer. Gerade die Nachahmer – die genau genommen keinerlei Verbindung zur “al quaida” benötigen, da deren Ideologie ja zur Genüge über die Massenmedien kommuniziert wurde – machen diesen transnationalen Terrorismus zu einem rentablen Unternehmen: Jeder Anschlag ein Werbefilm, der weitere aktiviert, die diesen Terrorakt noch überbieten wollen – in dem Glauben, etwas Gutes zu tun. Die Ideologen und Köpfe, private Kriegsherren von einst, streichen derweilen die materielle Unterstützung ein. Diese lässt sich dann gut ins Anheizen lokal begrenzter Kriege und Konflikte investieren, was die Nachfrage nach Konfliktgütern – leichten Waffen, Fahrzeugen und die Ausbildung in Ausbildungscamps – steigert, mit denen der geschäftstüchtige Terrorist handelt.
kurz: Anschläge rekrutieren – fast von allein – neue international aktive Attentäter und regional aktive Söldner. Die besuchen Ausbildungscamps und brauchen mitunter Waffen. Die Ideologen der Terror-Organisationen streichen die Ergebnisse ein: Spenden, Schutzgelder und Erlöse aus dem Handel mit leichtem Kriegsgerät und anderen Konfliktgütern – je nach Region Drogen, Schutzdienste für Minen – und den Einnahmen aus Ausbildungscamps.

Nebenwirkungen

Wenn der Verdacht wahr wäre, dass Taliban/afghan. “al quaida” v.a. den Handel von Konfliktgütern aufrecht erhalten wollen, dann müssten Taliban/Al-Quaida-“Kämpfer” von Irak bis Afghanistan getrennt betrachtet werden von jenen, die im Namen “al quaidas” Anschläge in der “westlichen Welt” verüben. Denn die im Westen aktiven Terroristen wären ja dann genauso genommen der – aus westlicher Sicht: – Kollateral-Schaden einer PR-Strategie eines (illegalen) Unternehmens. Deren Zusammenhang sollte dabei selbstverständlich nicht aus dem Blickfeld geraten.

Der zu interessierende Dritte

Klassischerweise sind der “zu interessierende Dritte” im Kalkül terroristischer Organisationen potentielle Sympatisanten. Im Falle der baskischen ETA etwa wäre dies die baskische Bevölkerung: Bei Anschlägen der ETA gegen castillische Repräsentanten und Symbole kann die ETA auf Zustimmung aus der Bevölkerung hoffen. Im Falle regider Reaktionen der spanischen Zentralregierung könnten sich Basken motiviert fühlen, die ETA verstärkt zu unterstützen.
Es gibt auch die These eines zweiten “zu interessierenden Dritten”, die vor allem bei transregionalem oder transnationalem Terrorismus zum tragen kommt. So richtete sich die IRA etwa auch an die britische Bevölkerung: Je mehr Briten in Nordirland ihr Leben verloren und je teurer die britische Präsenz rund um Belfast wurde, desto schwieriger würde es für die britische Regierung, ihr Vorgehen in Nordirland den eigenen Wählern gegenüber zu argumentieren. Dazu genügte es also, wenn die IRA innerhalb Nord-Irlands die britischen Streitkräfte bedrohte und angriff; wirksamer noch waren Anschläge auf britischem Boden, da dann der britischen Bevölkerung deutlicher vor Augen.
Der zweite “zu interessierende Dritte” entwickelt sich im Falle Taliban & “al quaida” möglicherweise zum wichtigeren: Je länger der Krieg in Afganistan andauert und je länger im Irak Anschläge immer wieder – auch westliche – Menschenleben fordern, desto aufwendiger undf schwieriger wird es für die westlichen Regierungen, ihre Auslandseinsätze gegenüber ihren Wählern zu legitimieren. Die Mehrheit der westlichen Wähler sieht die Verluste und Kosten der Auslandseinsätze und wird sie  zunehmend ablehnen. Das Kalkül der Terroristen: Die westlichen Armeen müssen sich zurückziehen, weil die heimischen Wähler diese Einsätze nicht mittragen – letztlich würde das Terrain den Terroristen überlassen. 
 

Privatarmeen

Die Verluste, Opfer und Kosten eines Krieges außerhalb der Herkunftsregion sorgen dafür, dass die westlichen Wähler die Auslandseinsätze zunehmend ablehnen. Die USA regierten hierauf mit Privat-Armeen, Sicherheitsunternehmen, deren Gefallene zumindest nicht in den offiziellen Statistiken erscheinen. Dadurch scheint die Zahl der eigenen/westlichen Opfer geringer. Nachteil: Solcherart Privatarmeen tendieren dazu, ähnlich Guerilla-Armeen, Kriege am Köcheln halten zu müssen, da sie ja davon leben. Der Verlust der staatlichen Kontrolle über Privatarmeen war vor gut 300 Jahren einer der Anlässe zum Aufbau von Staatsarmeen.
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Terrorismus-Definitionen 1/5

"Neuer Terrorismus": Ziel ist nicht die einzelne Zerstörung, die Morde, sondern die mediale Aufmerksamkeit: Die massenhaft Toten bewirken die Dramatisierung  und sichern die mediale Aufmerksamkeit; die Störung der Infrastruktur der Angegriffenen bewirkt die tatsächlichen Schäden und zeigt die verwundbaren Stellen der angegriffenen Gesellschaften. Die Angegriffenen können nicht mit gleichen Mitteln antworten, da …

 

  • …die Terroristen i.d.R. über keine zerstörbare Infrastruktur verfügen,
  • …in etwaigen Heimatländern oder Rückzugsregionen der Terroristen die unbeteiligte Zivilbevölkerung getroffen würde, was das klassisch-terroristische Kalkül aufgehen ließe, dass die Reaktion der Terrorisierten die Lebenssituation Unbeteiligter verschlechtere und damit diese Unbeteiligen motivieren würde, sich mit den Terroristen gegen die Terrorisierten zu verbünden;
  • …sie sich selbst die Legitimation nähmen, gegen die Vorgehensweise der Terroristen zu argumentieren oder sich zu wehren.

Schwere, in westlichen Armeen übliche Waffen sind kaum gegen terroristische Gruppierungen einzusetzen: die ferngelenkte Rakete und der Flugzeugträger gegen die Maschinenpistole auf einem PickUp oder den Einzelnen inmitten einer zivilen Stadtbevölkerung? Daher ist eine (gewaltsame) Auseinandersetzung zwischen Terroristen und westlichen Militärs asynchron.

Der klassische Terrorismus stand für Anschläge gegen symbolträchtige Gebäude oder die Tötung Einzelner, die für bestimmte Taten standen, welche den Zielen der Terroristen konträr gegenüber standen. Damit einher geht eine Aussage, die Kommunikation eines Zieles der terroristischen Gruppierung, die i.d.R. dieses Ziel auch noch mit Bekennerschreiben konkretisiert. Theoretisch gilt vor allem hier die Strategie, restriktive Reaktionen des Angegriffenen (Regierung) zu bewirken, die bestimmte Teile der Zivilbevölkerung in Mitleidenschaft ziehen, auf dass diese die Terroristen unterstütze (der “zu interessierende Dritte”). In diesem Sinne waren bestimmte Bevölkerungskreise vor Anschlägen relativ sicher. Ob sich der einzelne Terrorist in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts dieser Strategie noch immer bewusst war, darf jedoch angezweifelt werden.

Der "Neue Terrorismus" will offenbar kein tatsächliches Ziel kommunizieren; eventuell einzelne unterschiedliche Ziele – je nach Region, Zeitraum bzw. politischer Phase und gerade aktuellen Selbsterhaltungszielen der terroristischen Organisation. Je vager dieses Ziel jedoch bleibt, desto leichter lässt es sich neuen Gegebenheiten anpassen: Unbekannte Ziele können auch nie erreicht werden, so dass die jeweilige terroristische Gruppierung mehr Chancen hat, ihre (vermeintliche) Legitimation gegenüber potentiellen Mitstreitern aufrecht zu erhalten: Unklar formulierte Ziele können von Sympathisanten nicht verifiziert, nicht eingefordert werden. Diese Flexibilität in der Propaganda bewirkt auch, dass die Gruppe der zu interessierenden Dritten nicht eindeutig definierbar ist.

Wenn der Tod etwaiger Sympathisanten von der Terror-Organisation als Märtyrer-Opfer dargestellt werden kann, ist der zu interessierende Dritte nicht mehr sicher: Kommt er durch die Reaktion der Angegriffenen ums Leben, geht das klassische Kalkül des Terrorismus auf, dass – oberflächlich gesehen – die Angegriffenen als Angreifer in Erscheinung treten; kommen Sympathisanten durch Aktionen der Terroristen ums Leben, gelten sie als Helden oder Märtyrer. Dies führt zu der These, dass sich beim neuen Terrorismus die Terroristen nicht darum bemühen müssten, ihren zu interessierenden Dritten zu schonen.
Dies kann nur bis zu einem bestimmten Grad zutreffen, denn Sponsoren, Kunden von Konfliktgütern und potentielle Rekruten müssen bewahrt werden. Andernfalls würde das Prinzip von Schutzgeldern nicht mehr funktionieren, wirtschaftliche Einnahmen der Terroristen entfielen und es würde an Nachwuchs mangeln. Auch gibt es innerhalb der Gemeinschaft höchstwahrscheinlich eine instinktive Schmerzgrenze, wenn die Anzahl der Märtyrer als zu groß erscheint im Vergleich zum vermeintlichen Ziel.

Im Falle der “al quaida” im Jahr 2001 ist das klassisch-terroristische Kalkül offenbar aufgegangen: Nach dem Angriff der “al quaida” auf die New Yorker Twin Tower – nicht zu vergessen die vorangegangenen und folgenden Anschläge in Afrika, London, Spanien – regierten USA und Nato mit einem Angriff gegen Afghanistan und angeblich verirrten Raketen auf Pakistan (1998), letztlich mit dem Krieg im Irak. Vor allem der Angriff auf den Irak, unter der offenbar haltlosen Behauptung, dass dort Massenvernichtungswaffen gehortet würden, lässt sich von den “al quaida”-Ideologen als Angriff auf islamische Kultur und Lebensweise interpretieren und darstellen: Der Anschlag der “al quaida” hat also eine Reaktion der Angegriffenen bewirkt, die direkt und indirekt die Lebensbedingungen Unschuldiger durcheinander brachte; diese Unschuldigen betrachten sich als dem Kulturkreis der Terroristen zugehörig, sind also “zu interessierende Dritte”, und mögen in etlichen Fällen den Eindruck haben, dass der US-/Nato-Einmarsch im Irak ihre Lebensbedingungen verschlechtert hat. Kurz: Der “al quaida”-Anschlag hat eine Reaktion der westlichen Welt bewirkt, die die Lebensbedingungen in Regionen des islamischen Kulturkreises augenscheinlich verschlechterte und somit dort Menschen motivieren musste, die “al quaida” als vermeintliche “Freiheitskämpfer” gegen den Westen zu unterstützen. Das klassische Kalkül des Terrorismus ist aufgegangen, wenngleich das konkrete Ziel der Terroristen nicht auszumachen ist.
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Terrorismus-Definitionen 2/5

  Strategie-Varianten:
Es genügt bei weitem nicht, Terrorismus nur darüber zu definieren, dass die Opfer massenweise Zivilisten seien. Zum einen trifft dies für zahlreiche klassische Terrorismus-Organisationen nicht zu, zumindest nicht als vordergründiges Ziel (z.B. Narodniki/Narodnaja Wolja, ETA), andererseits trifft es auf im Grunde klassische Kriege (beide Weltkriege), auf Guerillas, Sekten, ja sogar manchen Staat im Umgang mit bestimmten Minderheiten zu. Wesentlich für die Definition des Terrorismus ist der “zu interessierende Dritte”, das Spiel über die Bande, die Strategie, andere zu motivieren, der Regierung ihres Staates die Gewalt zu entreißen:

  1. klassisch; “über Bande”: Der Anschlag gegen die Zivilbevölkerung eines Landes oder einer Region von Menschen/Terroristen aus eben dieser Region, damit die Regierung dieser Reaktion hart reagiere. Diese staatliche harte Reaktion betrifft weite Teile der nicht terroristischen Bevölkerung der fraglichen Region, die daraufhin gegen diese Regierung aufbegehren (ETA, Narodnaja Wolja), und so im Sinne der Terroristen gegen den (eigenen) Staat revoltieren soll. Diese Bevölkerung ist der zu interessierende Dritte.
    1. Variation IRA: der zu interessierende Dritte sind zweierlei:
      1. die nordirische Bevölkerung, die aufgrund der britischen Reaktionen gegen den britischen Einfluss revoltieren sollte,
      2. die britische Bevölkerung, die aufgrund der Gewalt und durch sie entstehenden Verluste (Anschlagsopfer, offizielle Persönlichkeiten, Materielles) ihre Regierung drängen soll, sich aus Nordirland zurückzuziehen.
  2. vereinfacht/direkter: Der (massive) Anschlag gegen die Zivilbevölkerung, die daraufhin direkt gegen ihre Regierung vorgeht bzw. sie zwingt, ihre Politik zu ändern. In solchen Fällen sieht die getroffene Bevölkerung eine indirekte Mitschuld ihrer Regierung an dem Anschlag; sie meint, dass der Anschlag eigentlich die Regierung gemeint hat und nur möglich wurde, weil die bestehende Regierung so handelte, wie sie handelte;
    1.  (Beispiele)
      1. Bsp. Japan/Hiroshima: Der Doppelanschlag der USA (Atombomben) ging gegen die Zivilbevölkerung, deren Regierung daraufhin den Krieg in jedem Fall beenden musste; ebenso: Alliierte : Dresden
      2. Anschlag auf mehrere Züge in Madrid kurz vor den Wahlen im März 2004 (Atocha-Bhf): bei den folgenden Wahlen wurde die bestehende Regierung (unerwartet, lt. Kommentatoren) nicht bestätigt.
    2. Nach dieser Definition lassen sich zahlreiche Staaten und Aktionen mehr oder minder regulärer Kriege als Terrorismus einordnen (z.B. Dresden, Hiroshima im 2.WK; Madrid 2004);
  3. Schlussfolgerung: Hierfür sollte es Terroristen genügen können, nur Infrastruktur zu zerstören, ja möglichst selbst nicht namentlich in Erscheinung zu treten: So könnte die Bevölkerung zu dem Eindruck kommen, dass unter ihrer gegenwärtigen Regierung Post, Bahn/Transport, Telekommunikation nie zuverlässig funktionierten und also glauben, ihre Regierung sei unfähig und gehöre abgesetzt. Sobald die Terrororganisation in Erscheinung tritt – und sei es um die vermeintliche Ehre einzuheimsen – kann sich die Regierung mit Verweis auf die Terroristen herausreden und ihre Reaktionen begründen. Womit wieder die klassische Variation (s.o.) eingetreten wäre.

Variante 2 hätte auch das Kalkül der TwinTower-Anschläge sein können: dass sich also die westliche Bevölkerung gegen ihre Regierungen (und Wirtschaftsführer) wende, ausgehend von dem Verdacht, dass es Armut und Verzweiflung in den Herkunftsländern der Terroristen seien, die die Terroristen zu den Anschlägen motiviert habe – und ausgehend davon, dass die westlichen Regierungen an dieser Armut schuld seien, daher also an den Anschlägen indirekt mitschuldig seien. Diese Sichtweise gibt es, insb. in den ersten Jahren nach 2001 war dies eine gängige These. Aufgegangen ist dieses Kalkül nicht.
Wie ein “Plan B” bleibt somit noch Variante 1: Dass die Reaktionen des Westens auf die “neue Terrorgefahr” sich derart negativ auf die eigene Zivilbevölkerung auswirkt, dass diese darum gegen ihre Regierungen aufstehen werde. Elemente dieser Variante lassen sich ausmachen: Die extrem verstärkte Überwachung der Bevölkerung in den westlichen Staaten, die Beeinflussung der vermeintlich freien Medien und die negativen Auswirkungen der Kriege (insb. im Irak und Afghanistan) auf die westlichen Bevölkerungen. Dass diese darum ihre Regierungen stürzen werden, ist nicht abzusehen, schon mangels Alternativen; aber auch weil diese staatlichen Reaktionen auf den Terrorismus nur scheibchenweise zum Tragen kommen und dadurch kaum in ihrer Gänze wahrgenommen werden. Hier bleibt die Frage, was die Terroristen davon hätten, wenn in der westlichen Welt Revolutionen ausbrächen.
Mit dem neuen Terrorismus kommt eine dritte Dimension hinzu: Die Reaktion der Angegriffenen in Region A (westl. Welt) wirkt sich direkt vor allem auf Region B (Afghanistan, Irak, Iran etc.) aus, dem Herkunftsgebiet der Terroristen. In dieser Region B ist der Gedanke von Nationalstaaten weitaus unwichtiger, als die Identifikation über Glaubensrichtungen, Religion, (vermeintliche) Abstammung und Herkunft – und damit per se trans- und supranational. Die Terroristen profitieren nun mehrfach:

  • die Bevölkerung von Region B (Terroristen-Basis) solidarisiert sich verstärkt mit den Terroristen, die als Widerständler gegen die „Angreifer“ aus Region A (westl. Welt) erscheinen.
  • Die Regierungen in Region B müssen sich mit den Terroristen engagieren, um sich gegenüber der eigenen Bevölkerung zu legitimieren; das sichert den Terroristen via der Bevölkerung Einfluss in der Politik in Region A – oder eröffnet doch zumindest sichere Rückzugsgebiete
    • damit einher geht die Absicherung der unternehmerischen Aktivitäten der neuen Terroristen: kostenpflichtige Ausbildungscamps für Terroristen aus aller Welt, Handel mit Konfliktgütern (Waffen, Drogen, Diamanten, Produkte für boykottierte Staaten…)
  • Unternehmen aus Region A werden sich aus Region B fernhalten, so dass regionale Unternehmer weniger Konkurrenz haben; soweit die Unternehmer der Region B die Sicherheit ihrer Geschäfte den Terroristen verdanken, sind sie denen gegenüber verpflichtet.

Hinzu kommt politisch-gesellschaftlicher Einfluss der Terroristen: Klassische Terroristen waren auf versteckte konspirative Treffen, anonyme Flugblätter und vereinzelte direkte Diskussionen angewiesen, dabei immer in der Gefahr, von der Polizei erwischt zu werden; Neue Terroristen können durchaus auf Mitstreiter zählen, die auf gesellschaftlichen Ebenen in ihrer Region ähnlichen Einfluss haben, wie westliche Politiker in ihrem Aktionsraum.
(nach oben)

Terrorismus-Definitionen 3/5

Definitionsschwierigkeiten

In der Presse, öffentlichen Diskussion und auf politischer Ebene fällt immer wieder auf, das kaum zwischen Attentat, Terrorismus, Guerilla und organisierter Kriminalität unterschieden wird. Vergessen wird immer wieder ein entscheidendes Merkmal des Terrorismus: Der terroristische Anschlag soll eine Regierung zu einer Reaktion zwingen oder verleiten, die die Lebensbedingungen eines Dritten verschlechtert, so dass dieser Dritte gegen  die Regierung vorgeht – oder zumindest die Terroristen unterstützt. Im neuen Terrorismus muss in dieser Definition das Wort “Regierung” gegen “Staat” und “Kulturregion” ausgetauscht werden; zudem liegt das Gewicht stärker auf der Unterstützung der Terroristen als darauf, den Dritten zum Aufstand gegen die andere Kulturregion zu bewegen.
In den Massenmedien wird schon mal von dem “Hauptquartier” und ”Kommando” einer Terrororganisation gesprochen, von “festgenommenen Kämpfern”, oder von einem “Führer” einer terroristischen Vereinigung, die ein staatsähnliches Gebilde “proklamierte”: Hier werden Terrorismus, militärische Hierarchie und schlichte Kriminelle zu einem einzigen Gebilde zusammengefügt (bspw. Der Spiegel 1/2008)
Die Unterscheidung zu Guerillas etc. bleibt dennoch schwierig. Eine Alternative, wäre in jedem Fall die Frage voranzuschicken: Zu welchem konkreten Zweck wird eine Definition benötigt? Hilfreich wäre es, jede Organisation einzeln anzusehen, ihre einzelnen Taten auszuwerten, ihre Einzel-Ziele und ihre allgemeinen langfristigen Ziele zu suchen, ihre Selbstdarstellung unter die Lupe zu nehmen und mit der Wahrnehmung der Gruppierung vonseiten ihrer anzunehmenden Zielgruppe und ihrer Gegner zu vergleichen.
⇒ Terror ←→ "Kämpfer" und "Festgenommene"
⇒ Krieg ←→ "Hauptquartier" und "Kommando"
Weiter kann ein Wechsel von einer Quasi-Berufsbezeichnung (Terrorist, Guerilla) zu Beschreibungen (terroristisch) helfen, nicht im derzeit üblichen Maß zu pauschalisieren.

Kategorisierung

Ist es sinnvoll, nach Kategorien (Terroristen vs. Rebellen vs. organisierte Kriminalität vs. Paramilitärs etc.) zu suchen und sich – auf wissenschaftlicher Ebene – um eine Einstufung nicht-staatlicher gewalttätiger Organisationen zu bemühen? Wenn doch deutlich ist, dass die Schnittmengen zwischen diesen Kategorien größer sind, als der typisierbare Bereich, ist es vielleicht sinnvoller, sich deutlich auf eine individuelle Betrachtung der jeweiligen Gruppierungen zu konzentrieren: Was genau wissen wir von der F.A.R.C., von den Tamil Tigers, der ETA, “al quaida” etc. Ein “al quaida”-“Kämpfer” im Irak ist sicher anders motiviert und aktiv, als ein “radikalisierter Islamist” in britischen Vororten. Zudem erscheint fraglich, ob selbst jene Organisationen, die noch heute vorwiegend als Terroristen erscheinen, Ziele nach ähnlichen Mustern verfolgen, wie es der ureigentlichen Terrorismus-Definition entspricht. Andererseits laufen wir Gefahr, sehr unterschiedliche Gruppierungen zu vermengen, wenn wir zu sehr pauschalisieren, um kategorisieren zu können.
Eine gruppenweise Einordnung in Rebellen/Warlords/Kriminelle/Terroristen erscheint heute wenig hilfreich, eben wegen deren Verschmelzung. Dagegen scheint aber eine Unterscheidung sinnvoll nach diesen Kategorien:

  • lokal, national, trans-, supra- oder international aktiv?
  • gibt es definierbare Ziele,
    • sind etwaige Ziele flexibel, werden sie häufiger geändert oder je Untergruppe variiert?
  • geografisches Wirkungsfeld von Gewaltakten,
  • regionale vs. intern. Aufmerksamkeit, angestrebte Aufmerksamkeit
  • überwiegende Finanzierung
  • Ziele: Politische Änderungen; Absicherung bestimmter klass. Einnahmequellen (Konfliktgüter);
  • Art der Opfer (stehen sie (symbolisch) in Bezug zur Org.?);
  • Organisationsformen: nicht vorhanden, hierarchisch oder in Zellen; wer ist der Adressat; Zeitfenster von Aktionen (regelmäßig, ausnahmsweise, oft),

Alternativ könnte jeder einzelne Akt (z.B. Anschläge) nach diesen Kritierien analysiert und damit durchaus kategorisiert werden. Erst in der Folge ließe sich dann feststellen, in welche Richtung die dahinter stehende Organisation tendiert. Darauf aufbauend können dann Strategien entwickeln werden, wie mit den Organisationen, ggf. Teilen der Organisation umgegangen wird und wie direkt oder indirekt Einfluss auf sie genommen werden kann.

Hilft es, wenn – wie in den Massenmedien gelegentlich der Fall –  Bürgerkriege in Afrika mit Gewaltdemonstrationen in europäischen Vorstädten oder die TwinTowers mit Hiroshima oder Anschläge auf Hitler mit Anschlägen der IRA, ETA oder Tamil Taigers auf Politiker oder die Massenvergiftung der AUM-Sekte mit der Hamas oder den südafrikanischen ANC mit der PLO oder Ghandi (der Anschläge gegen Gegenstände durchaus billigte) mit den Oklahoma-Nazis … zu vergleichen? Auch wenn in einigen Fällen einige Faktoren ähnlich sind, kann dies nur zu einer Vermischung von allem und jedem führen. Es kann dazu dienen, aufzuzeigen, wie sehr es von der eigenen Sichtweise, dem eigenen Moral-Verständnis und politischen Situationen und Positionen sowie dem Erfolg abhängt, ob jemand des Terrorismus’ bezichtigt wird, oder als Freiheitskämpfer angesehen werden kann. Danach stellt sich aber immer noch die Frage der Rechtfertigung der Mittel und Opfer. Solche Durchmischungen von journalistischer und auch politischer Seite* kann nicht dabei helfen, Strategien zur Befriedung zu entwickeln.
* siehe Listen der Terror-Organisationen von UNO und Europäischer Kommission.
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Terrorismus-Definitionen 4/5

Neuer Terrorismus verdrängt den regionalen/klassischen Terrorismus.

Durch den Neuen Terrorismus schwinden die Einfluss-Möglichkeiten klassischer terroristischer Organisationen, wie beispielsweise der ETA: Denn um die mediale Aufmerksamkeit zu erhalten, derer sie bedürfen, müssten ihre Anschläge brutaler und augenscheinlich komplizierter geplant sein, da die Schmerzgrenze der öffentlichen Wahrnehmung (Medien) gestiegen ist.
Um also Ziele zu kommunizieren oder zu erreichen, müssten klassische Terrorgruppierungen die Brutalität und offensichtliche Perfektion ihrer Anschläge beträchtlich erhöhen. Dies würde jedoch vermutlich im Widerspruch zu den – meistens ja durchaus benennbaren – Zielen stehen und wohl auch von den potentiellen Sympathisanten eher negativ wahrgenommen werden. Klassische Terror-Gruppen stehen also dem Dilemma gegenüber, entweder kaum wahrgenommen zu werden oder – mit brutaleren, medienwirksameren Anschlägen den Rest ihrer vermeintlichen (regionalen) Legitimation zu gefährden. Es bliebe ihnen also nur die Möglichkeit einer deutlichen Regionalisierung, was sich auf die Wahl der Ziele auswirken müsste und wofür eine regionale oder nur kurzzeitige Medienpräsenz genügen würde.
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Terrorismus-Definitionen 5/5

Terrorismus in linearer Entwicklung

Für die ersten terroristischen Organisationen gab es ein bestimmtes Ziel, dass sie erreichen wollten. Dies war meist der Umsturz des politischen Systems.
Beispiel Narodniki/Narodnaja Wolja, 1880er: politisch links orientierte Studenten zogen aufs Land, um Bauern für einen Aufstand gegen Zar Alexander II zu gewinnen. Die Bauern lachten die Studenten aus, waren ihnen doch  die Freiheiten, die ihnen der Zar zugesprochen hatten, schon zu ungewohnt und suspekt. Etwa zeitgleich verübte eine junge Frau einen Anschlag auf den Petersburger Polizeipräsidenten, offenbar aus persönlichen Motiven. Sie wurde freigesprochen, da dieser Polizeipräsident wohl allgemein unbeliebt war.
In der Folge begannen die Studenten mit Anschlägen aktiv zu werden. Sergei Netschajew: Terrorismus, um  Leid und Not des Volkes zu steigern: durch Aktionen insb. gegen Repräsentanten des Staates und durch die Provokation von staatlichen Reaktionen gegen das Volk, damit es sich gegen seine Regierung auflehne.
Nach mehreren Versuchen ermordeten die linken Studenten mit einem Anschlag den Zaren. Dessen Nachfolger nahm zahlreiche Regelung seines Vorgängers zurück, verstärkte die Abhängig der russischen Bauern von ihren Fürsten wieder und ging radikal gegen links-orientierte Studenten und insbesondere die Attentäter vor. Kurz: Er verschlechterte die Lebensbedingungen weiter Teile der Bevölkerung in der Folge des Anschlages gegen seinen Vorgänger. Keine 30 Jahre später gelang die russische Revolution.

Ein anderes klassische Ziel von Terroristen ist die Selbständigkeit der Region, in der sie verwurzelt sind. Sie haben einen “politischen Arm”, werden also mit einer offiziell auftretenden Partei assoziiert.
Die ETA, entstanden aus dem Widerstand gegen die Franco-Diktatur, verlangte die Autonomie des Baskenlandes. Heute ist das Baskenland weitreichend autonom verwaltet. Die ETA, als Terror-Organisation, wird assoziiert mit einer Partei (die immer mal wieder verboten und neu gegründet wurde), die auf dem demokratischen Parkett der Post-Franco-Ära aktiv ist. In Relation zur politischen Entwicklung in Spanien und Europa sind weite Teile der ursprünglichen ETA-Forderungen erfüllt, was ihre Legitimierung erheblich erschwert. Vergleichbar ist auch die IRA.
Solche klassischen Organisationen konkurrieren mit dem für sie zuständigen Staat um die Herrschaft , um das Gewaltmonopol in einer bestimmten Region. Zahlreiche solcher Organisationen, politisch ähnlich häufig links wie rechts orientiert, gab es weltweit und also auch im gesamten Europa während des 20. Jahrhunderts. Von Italien der 70er Jahre ist bekannt, dass westeuropäische Staaten die Ultrarechte finanzierten, damit diese Anschläge verübe, die den Linken zugeordnet werden sollten, damit die Italiener die Kommunisten nicht wähle; denn Westeuropa fürchtete, dass Italien bei einem Wahlergebnis zugunsten der Linken, in den Einflussbereich der Sowjetunion gerate.
Die klassischen Terror-Organisationen hatten Ziele, deren Erreichen für die potentiellen Sympathisanten verifiziert werden konnten. Zerstörung war vorrangig Mittel zum Zweck, nicht jedoch das Ziel. Das Ziel klassischen Terrorismus war also meistens, Reaktionen des Angegriffen zu bewirken, um darüber die ausufernde Gewaltanwendung auf das Volk zu delegieren.
Im Falle des "Neuen Terrorismus'" könnte dies auch zutreffen, auf den ersten Blick. Aber was hätten etwa islamistisch begründete Terrororganisationen davon, wenn sich Europäer gegen ihre Regierungen erhöben? Zumal dann zu erwarten wäre, dass Europäer demokratischere Versionen ihrer Demokratien durchzusetzen versuchen würden. Oder sollen nur vermeintliche Islamisten aktiviert werden – um was zu tun?: Eine Revolution  in einem Kulturraum zu beginnen, der nicht der ihre ist, zu dem sich die potentiellen Akteure ja distanziert fühlen müssen? Dann könnte es ja nur um die Eroberung des Raumes gehen. Da wäre dann aber nicht mehr der Terrorismus, der zu einer Revuelotion innerhalb eines Staates oder Kulturkreises führen sollte, sondern eine terroristisch angehauchte Strategie zu einem Eroberungskrieg.
Die Möglichkeit, dass islamische Europäer Europa revolutionieren scheint doch zu unwahrscheinlich, als dass sie das Ziel sein könnte. Durch die grundsätzliche (proklamierte) Abneigung gegen westliche Werte, Systeme und Institutionen kann die Idee auch nicht dahin führen sollen, dass es gelte, Schlüsselpositionen zu besetzen und daher den Einfluss des Islam zu stärken. Und auch begünstigt der Terrorismus à la “al quaida” nicht den Handel zwischen christlichen und islamischen Weltregionen, so dass auch keine Abhängigkeit Europas oder der US erwirkt werden kann (so betrachtet hat China die besseren Chancen, Einfluss auf Europa  und insb. die US auszuüben).
Die restriktiven Reaktionen der westlichen Regierungen hinsichtlich der westlichen Bürger (Überwachung, Rüstungskosten etc.) passen zwar ins klassisch terroristische Kalkül, scheinen für die Terroristen aber wenig nützlich. Für sie relevanter sind die Reaktionen des Westens im islamischen Raum, wenn dort die Intervention des Westens dazu beiträgt, die dortige Bevölkerung den Terroristen in die Arme zu treiben. Dazu genügt es, wenn die dortige Bevölkerung auch nur den Eindruck hat, dass die Reaktion des Westens ihre Lebensqualität verschlechtere.

Die Organisationen des Neuen Terrorismus entstanden i.d.R. in der Folge von Kriegen oder kurzen kriegerischen Attacken. An diesen Kriegen waren nicht selten die westlichen Mächte direkt oder indirekt beteilt. Ihr Ziel – sofern eines auszumachen ist – definiert sich oft über Anlass und Folgen des jeweiligen Krieges. Die ursprünglichen Akteure gehen in vielen Fällen aus dem Krieg hervor. Offizielle Ziele sind i.d.R. nur im destruktiven Sinne auszumachen: Rückkehr zu (vermeintlichen) vorangegangen Regierungs-, Verwaltungs-, und/oder Gesellschaftsformen; damit einher geht die Zerstörung der angefeindeten Strukturen als Teil des Zieles. Eine Zukunftsvision ist aber nicht auszumachen. Beim Neuen Terrorismus ist das Programm nicht der Ausgangspunkt der gewalttätigen Handlungen sondern wurde während diesen zu deren Rechtfertigung Stück für Stück konkretisiert.

 

 Terrorismus: Fragen & Ausblick

 

Gedeiht Neuer Terrorismus am besten auf dem Boden zerfallender oder prekärer Staaten, Regionen also, in denen die Gewalt nicht organisiert oder gar nachvollziehbar monopolisiert ist?
Können sich Terroristen und Guerillas vorrangig in schwachen Staaten etablieren, weil es dort einfacher ist, nicht Sympathisierende ruhig zu stellen, weil die Mehrheit der Einwohner dieser Regionen sich mehr um den Lebensunterhalt kümmern muss und daher sich nicht vernehmlich gegen die Terroristen der Region positionieren, weil soziale oder familiäre Bindungen die zumindest stille Billigung der Gewalttätigen fordern, weil die Gewalttätigen – direkt über Rekrutierung und als Kunden oder indirekt – augenscheinlich die Lebensbedingungen zumindest stabil halten?

Ist Terrorismus in Demokratien aussichtsreicher, als in durchherrschten Diktaturen?: Wenn die terroristischen Anschläge – direkt oder indirekt – eine Revolte des Volkes gegen die Regierung bewirken sollen, muss es dazu auch imstande sein. In Demokratien scheint dies einfacher – aber unwahrscheinlicher, solange die Wähler an ihre politische Partizipation glauben. Im Falle ihrer politischen Teilhabe hätten sie – über Wahlen ihrer Repräsentanten – die restriktiven Entscheidungen ihrer Regierung mitgetragen oder zumindest mitzuverantworten.
In durchherrschten Diktaturen dagegen scheint der Aufstand schwieriger durchführbar, da es der Diktatur leichter fällt, Dissidenten “rechtzeitig“ auszuschalten und gewaltsam gegen die eigene Bevölkerung vorzugehen. Andererseits kann ein diktatorisch unterdrücktes Volk einfacher von der Notwendig- und Sinnhaftigkeit eines Aufstandes überzeugt werden.

Warum erscheinen in den etablierten westlichen Massenmedien keine Zahlen aktiver transnationaler Terroristen? Wie groß und bedeutend ist der Rückhalt der Terroristen (und Guerillas) in ihren jeweiligen Regionen: Wie steht die Mehrheit der Menschen zu den regionalen und wie zu transnationalen Aktionen der Terroristen?

 „Neuer Terrorismus” wird u.a. darüber definiert, dass er transnational handelt – doch inwieweit spielen für die aktiven Akteure “Nationen” eine Rolle, wie (un)wichtig oder gegenwärtig ist ihnen die Identifikation über das – doch sehr europäische – Konstrukt der Nation.
Zeigt der “neue Terrorismus”, dass das Ziel einer terroristischen Gruppierung oder Ideologie weitaus unwichtiger ist, als der fortwährende Prozess des klassisch-terroristischen Kalküls der Aktion-Reaktion zu Lasten des zu interessierenden Dritten?

Wenn Aktionen eines (zumindest leidlich) demokratischen Staates als terroristisch angesehen
Wenn “die Islamisten” mitschuldig sind an Anschlägen des Neuen Terrorismus, dann sind die Wähler der westlichen Staaten mitschuldig an zivilen Opfern in jenen Kriegsregionen, in denen die westlichen Staaten militärisch aktiv sind.

Wenn westliche Staaten bestimmte Werte vertreten – prinzipielle Unschuldsvermutung, unabhängige Gerichtsbarkeit, Achtung der Menschenrechte, Freiheit, Souveränität – dann aber diese Werte im Rahmen eines Konfliktes, Krieges oder sonstigen Auseinandersetzung außer Kraft setzen (z.B. Guantanamo und Waterboarding/Folterung; Beeinflussung der Kriegsberichterstattung/Medien): Verwirken dann die westlichen Staaten ihr angebliches Recht, Kriege im Namen der Menschlichkeit zu führen?
Ist es zulässig, Kriege als unmenschlich zu verdammen, aber kriegerische Aktivitäten einzusetzen und deren Auswirkungen hinzunehmen, um vorgeblich Frieden zu erzeugen – oder kann dies schon allein daher nie funktionieren, da mit dem Krieg bereits die Basis für folgende Konflikte gelegt wird?

Bringt der Neue Terrorismus den neuen Krieg? Mit Blick auf den 1. Weltkrieg entstand die These, dass eine bestimmte Größe des Waffenarsenals der vorherrschenden Mächte der Welt zwangsläufig zu einem Krieg führe. Widerlegt scheint diese These im Zusammenhang mit den Kalten Krieg, dessen Umschlagen in einen mit Waffen geführten Krieg wohl das Ende der Welt bedeutet hätte, oder zumindest doch den verfügbaren Lebensraum stark eingeschränkt hätte. Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem in der (zumindest zeitlichen) Folge verstärkt aufkommenden Neuen Terrorismus stellt sich die Frage nach der kritischen Menge des weltweiten Waffen-Arsenals wieder: Atomwaffen und Raketenabwehr haben weiterhin eher die abschreckende Aufgabe wie zu Zeiten des Kalten Krieges. Ihr Gebrauch scheint insofern denkbarer, wenn militärisch wesentlich schwächere Mächte diese modernen Waffen gebrauchen, Nutzer eines kleinen Arsenals, die einzelne Massenvernichtungswaffen nach terroristischem Muster gebrauchen.
Es ist auch denkbar, dass mächtigen Staaten gegen Terrorismus und regional begrenzte Kriege wieder vermehrt auf eher klassische Waffen setzen: Flugzeuge und Bomben, von denen nicht schiere Sprengkraft erwartet wird, aber deren Zielgenauigkeit und genau begrenzter Wirkungsraum sicher zu berechnen sein soll. Der Einsatz solcher Waffen scheint in Kriegen mit Guerillas und deren terroristischen Abkömmlingen zielführender zu sein, ihre Verwendung ist leichter zu argumentieren und zu (schein-)legitimieren. Ihr Einsatz scheint um so wahrscheinlicher, da ihre unmittelbare Wirkung begrenzt ist.

Stimmte der Eindruck, dass die meisten terroristischen Organisationen, Rebellen-Bewegungen und Mafia-Gruppierungen miteinander kooperieren (oder wenigstens zueinander kooperationsbereit sind; einzige Voraussetzg: Illegalität bzw. Support der Illegalität), dann führte dies zu der These von zwei Parallelwelten:
werden (z.B. die Atombomben der USA auf Japan, eindeutig gegen die Zivilbevölkerung gerichtet und daher außerhalb jeden Kriegsrechtes): In wiefern ist diese Bevölkerung mitschuldig?

  • Einerseits jene formelle Welt der geschriebene Gesetze samt Richter und institutionalisierter politischer Strukturen
  • Andererseits jene Welt aus Rebellen, Terroristen, org. Kriminalität  – von der angenommen werde kann, dass sie auch ihre Gesetze und Strukturen entwickelt und unterhält, nur eben auf Basis anderer Philosophien, offenbar weniger deutlich strukturiert und institutionalisiert und daher flexibler.
  • → in beiden Welten gibt es also Interessen und Regeln, zumeist auch Hierarchien: Ließen sich diese in irgendeiner Form zusammenführen, in Bezüge zueinander setzen oder ausgleichen, würden damit deren philosophisch-moralische Grundlagen zwangsläufig einander angeglichen.

Kann also ein Interessen-Ausgleich die vermeintliche Notwendigkeit von Gewalt als Interessendurchsetzungsmittel auch in diesem Fall obsolet werden lassen?

Wäre es eine denkbare Strategie gegen Terrorismus und Guerillas, den Krieg für diese (relativ) gleich teuer zu machen, wie es die regulären Armeen der westlichen Staaten im Kriegseinsatz sind? In diesem Fall müssten also kleine Waffen und PickUps exorbitant teuer sein. Die Unterhaltung der Handelswege für Konfliktgüter und von Ausbildungscamp müsste extrem teuer sein. Dies ließe sich durch zweierlei erreichen: Die kriegsweise massenhafte Zerstörung jener Straßen und Orte, die der Sicherung und dem Rückzug der Terroristen und Guerillas dienen. Diese Methode wird bereits angewandt und hat viele zivile Opfer zur Folge, fällt also aus. Bliebe die Errichtung eines Monopols einer Staatengemeinschaft auf jene Produkte, auf die kleine Armeen angewiesen sind. Wenn der Handel mit leichten Waffen schon nicht unterbunden werden kann – denn im Zweifel übernähme der Schwarzmarkt den Handel – bleibt die Verteuerung und das Abhängigmachen von bestimmten Munitionsanbietern, ähnlich dem Verhältnis Tintenstrahldrucker: Original-Farbkartuschen. Investierten die westlichen Staaten das Geld, dass sie in ihre Armeen stecken, in das massenweise Aufkaufen leichter Waffen und würden damit die Preise in die Höhe jagen, wäre dies eine weitere Verteuerung für Guerilla-Armeen. Ähnliches wäre denkbar mit PickUps und den jeweils regional relevanten Konfliktgütern. Nicht zuletzt müssen der Geldtransfer und die Geldwäsche erheblich erschwert werden; dass gehört zu den Grundsätzen der Terrorismusbekämpfung.
Terroristen dürften sich nicht auf umfassende Medienpräsenz verlassen können, wenngleich aber auch eine Zensur oder die Täuschung der westlichen Presse unzulässig ist. Ein seriöser Umgang mit den Werten der Anhänger und des Zielpublikums der Terroristen, verständliche aber profunde Analysen sind unverzichtbar, und sollten in den Heimatregionen der Guerillas und Terroristen öffentlich präsent sein, mindestens ebenso wie die Terroristen medienmäßig präsent sind.
Vor allem aber gilt es, den unmittelbar Beteiligten und dem Zielpublikum der Guerillas und Terroristen die Möglichkeit zu bereiten, im Frieden ein für sie erfüllenderes Leben aufzubauen, als es mit dem Kriegsprofit möglich ist.
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“Krieg der Kulturen”

Heute kursiert die Idee vom “Krieg der Kulturen”: Islamische, vielleicht auch konfuzianische und christliche Welt würden permanent gegen einander antreten; ähnlich der Orwell’schen Idee (“1984”), nach der die Erde auf drei Mächte aufgeteilt sei, die einander fortlaufend und zur Eigenlegitimation bekriegen. Dieses Modell vom “Krieg der Kulturen” – ganz gleich welche Ideologien gegeneinander antreten – muss aus heutiger Sicht aber an der mangelnden Teilnahmebereitschaft der Menschen scheitern. Dieses Gegenargument beruht auf der Annahme, dass die Mehrheit der Weltbevölkerung daran glaubt, dass sie Wohlstand mit materiellen Gütern und also mit Handel schneller erreichen kann, als mit Zerstörung und folgendem Wiederaufbau und wieder Zerstörung und wieder Aufbau. Dieses Gegenargument scheitert, wenn Menschenmassen zu leicht in hysterische Massenpsychose  zu versetzen sind (s. diverse Sekten; dt. Nationalsozialismus; der Einfluss der meisten Religionen in allen Weltgegenden).
Derzeit hat es den Anschein, dass der freie, gleichberechtigte Handel der beste Kit ist, das beste Mittel gegen Krieg: Je stärker Regionen oder Staaten wirtschaftlich miteinander verbunden sind, desto mehr haben sie zu verlieren, wenn sie einander bekriegen. Um so mehr werden sie also nach diplomatisch auszuhandelnden Kompromissen suchen. Dies zeigt sich an der europäischen Geschichte, wo noch die Gemeinsamkeit hinzukommt, dass es sich bei allen Beteiligten um etablierte Demokratien und Nationalstaaten handelt. Es ist aktuell an den Grenzen zwischen Slowenien, Kroatien, Serbien und Bosnien zu beobachten. Der Wirtschaft folgen die Kultur und soziale Absicherung – auch wenn sie idealerweise gleichzeitig mit der Wirtschaft unterwegs sein sollten. Vorausgesetzt, der freie und sozial orientierte Handel mit weltweit legalen Gütern ermöglicht den Wohlstand weiter Bevölkerungskreise ist er wohl der sicherste Garant für Friedfertigkeit. Insofern kann Globalisierung Frieden fördern – vorausgesetzt, die Handelspartner halten sich für gleichberechtigt und glauben daran, dass dieser Handel ihre Lebensqualität sichert.
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Vom asynchronen Terrorismus zur internationalen Armee?

Ein Problem der Asynchronität ist, dass die Armeen der (etablierten) Staaten unter Belegdruck gegenüber ihren Bevölkerungen stehen, also – wie es eben für den Rebellen von Vorteil ist, einen Krieg hinauszuzögern, ist eine reguläre Armee gezwungen, möglichst schnell ein Ergebnis (Ende) herbeizuführen – wegen der Kosten des Materials und der Soldaten sowie wegen der Rechtfertigung etwaiger Opfer und des Krieges an sich gegenüber der Bevölkerung. Denn mit steigenden Verlusten sinkt die Zustimmung im Wahlvolk. Also bleibt dem Staat nur, Strategien aufzuführen, die weniger eigene Verluste riskieren – das wäre der Luftkrieg. Dieser allerdings bestärkt wiederum die Asynchronität: Aus der Distanz des Flugzeuges dürften nur Guerrillos oder Terroristen getroffen werden; würde die heimische Zivilbevölkerung getroffen, ginge das Kalkül der Terroristen auf.
Die westlichen Staaten sind auf eine weitere Strategie verfallen: Sie engagieren “Sicherheitsfirmen”, resp. Privatarmeen. Deren Kosten und Verluste werden in der Öffentlichkeit kaum kommuniziert und wahrgenommen. Es scheint, als hätten die westlichen Gesellschaften ihren Soldaten das Berufsrisiko des Lebensverlustes aberkannt; Söldnern dagegen wird es weiterhin zugestanden.
Privatarmeen laufen aber seit jeher zuverlässig aus dem Ruder. Ihr ureigenstes Interesse muss der Erhalt der Kriegssituation sein, um ihre Einnahmen und ihr soziales Umfeld (sie haben geringere Chancen auf einen Helden-Status als schon reguläre Soldaten) zu erhalten. Sie werden sich im Friedensfall also vorzugshalber einen neuen Auftraggeber suchen. Mangels demokratischer Kontrolle und politischer Einbindung können solche Privatarmeen einfacher auch mal den Falschen umbringen – etwa Zivilisten – und damit das Ziel ihrer Auftragsgeber in Frage stellen. Sicherheitsfirmen sind also ebenfalls eine Gefahr, dem terroristischen Kalkül zuzuarbeiten.
Es bliebe eine weitere Alternative: Eine gemeinsame Armee etwa der UNO-Staaten. Sie existiert auf einem gewissen organisatorischen und legitimatorischen Niveau, aber nicht als Institution. Gebe es nun eine Armee, die einzig einer – ausgewogen besetzten und demokratisch entscheidungsfähigen – internationalen Organisation unterstünde, wären deren Einsätze andersartig legitimiert, als die Teilhabe nationaler Armeeeinheiten im Rahmen von “Missionen”. Zum einen würden die Bürger der Mitgliedsländer eher Verluste dieser Armee hinnehmen, da sie vermutlich nur eine gringere, distanzierte Bindung zu den Soldaten empfänden; dadurch wären länger andauernde Kriegseinsätze auch legitimierbar. Zugleich träte eine solche Armee nicht als Repräsentant eines bestimmten Landes auf, sondern als Ausdruck eines weltweiten Interesses. Entscheidend wäre hierbei, dass eine solche Armee alle Kulturkreise vereint und demokratisch legitimiert ist, nicht von einzelnen Staaten oder Wirtschaftsräumen dominiert werden kann.

Quellen/Hintergrund:

 

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