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Rechtsanwälte & Lehrer: Berufe im deutschen Bundestag

Verfasst von ws am 30. November 2007 - 20:37.

Rechtsanwälte regieren

Juristen sollen nicht nur dem Recht zu seinem Recht verhelfen – sie bestimmen auch, was Recht ist: Rechtswissenschaftler stellen die mit Abstand stärkste Berufsgruppe unter den deutschen Parlamentariern und Regierungsmitgliedern dar. Auf den Rängen folgen Lehrer und Wirtschaftsfachleute.

Bundestag

Ein Viertel Statistik: Berufe im deutschen Bundestagder Volksvertreter im deutschen Bundestag sind Juristen. Das sind 134 von 614 Abgeordneten. Würden alle Lehrer – Grund-, Haupt-, Real-, Berufsschulen und Gymnasien – zusammengefasst, besetzen sie mit 77 Sitzen (12,6 Prozent) Platz 2 der häufigsten Berufe unter deutschen Parlamentariern. Ihne folgen diplomierte Volks- und Betriebswirte mit 6,2 Prozent resp. 38 Abgeordneten. 28 Abgeordnete sind Politologen (4,6 %) und nur zehn Soziologen (1,6 %). Darüber hinaus sind zahlreiche Berufsgruppen etwa gleichmäßig vertreten: zu je 0,16 bis 1 Prozent.
==> Überblick auf den Seiten des Bundestages.
==> Der Überblick von Bundestag.de als PDF: s.u. (Stand: 11/2007)

deutsche Bundesregierung 2007 Minister

Minister & Kanzlerin

Höher noch ist der Anteil der Juristen in der Bundesregierung: Von den 16 Mitgliedern des Kabinetts sind sechs Rechtswissenschaftler (37,5 %). Aus dem Bereich Lehrer, Erziehung und Soziales stammen vier Minister und Wirtschaft haben drei studiert:

  • Frank-Walter Steinmeier (SPD)
    Bundesminister des Auswärtigen, Vizekanzler,
    Studium: Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft, Gießen.

  • Olaf Scholz (SPD)
    • Bundesminister für Arbeit und Soziales,
    • Studium: Rechtswissenschaften.

  • Wolfgang Schäuble (CDU)
    • Bundesminister des Innern,
    • Studium: Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Freiburg und Hamburg.

  • Brigitte Zypries (SPD)
    • Bundesministerin der Justiz,
    • Studium: Rechtswissenschaften, Gießen.

  • Peer Steinbrück (SPD)
    • Bundesminister der Finanzen,
    • Studium: Volkswirtschaft und Sozialwissenschaft, Kiel, Abschluss als Diplom-Volkswirt.

  • Michael Glos (CSU)
    • Bundesminister für Wirtschaft und Technologie,
    • Müllermeister.

  • Horst Seehofer (CSU)
    • Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz,
    • Diplom-Verwaltungswirt (FH), München.

  • Franz Josef Jung (CDU)
    • Bundesminister der Verteidigung,
    • Jurastudium, Mainz.

  • Ursula von der Leyen (CDU)
    • Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend,
    • Studium: Volkswirtschaft in Göttingen, Münster,
    • Studium: Medizin, Staatsexamen, Hannover.

  • Ulla Schmidt (SPD)
    • Bundesministerin für Gesundheit,
    • Lehrerin für Sonderpädagogik, Rehabilitation lernbehinderter und erziehungsschwieriger Kinder.

  • Wolfgang Tiefensee (SPD)
    • Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sowie Beauftragter der Bundesregierung für die neuen Bundesländer
    • Facharbeiter für Nachrichtentechnik; Ingenieur für industrielle Elektronik.

  • Sigmar Gabriel (SPD)
    • Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit,
    • Studium: Lehramt an Gymnasien für Deutsch, Politik und Soziologie; Staatsexamen; Göttingen.

  • Annette Schavan (CDU)
    • Bundesministerin für Bildung und Forschung
    • Studium: Theologie, Philosophie und Erziehungswissenschaften.

  • Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD)
    • Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
    • Studium: Englisch und Geschichte (Lehrerin), Frankfurt am Main.

  • Thomas de Maizière (CDU)
    • Chef des Bundeskanzleramts und Minister für besondere Aufgaben,
    • Studium: Rechtswissenschaften und Geschichte, Münster und Freiburg, Referendarexamen.

  • Angela Merkel (CDU)
    • Bundeskanzlerin,
    • Diplom-Physikerin.
==> Quelle: Bundesregierung.de

Wähler & Gewählte

Juristisches, pädagogisches und marktwirtschaftliches Denken scheinen im deutschen Parlament überrepräsentiert zu sein. Auch wenn die (wissenschaftlichen) Mitarbeiter der Abgeordneten oftmals weiteren Ausbildungs- und Wissenschaftsbereichen entstammen dürften, kann darin wohl ein Grund für eine deutliche Distanz zwischen Regierenden und Regierten, zwischen Volksvertretern und Volk vermutet werden. Hinzu kommt dass die meisten von Ihnen – ganz nach Weber – eine Parteikarriere hinter sich haben. Das schließt realitätsnahe Lebenserfahrung ganz und gar nicht aus, jedoch repräsentieren das Denken, die Erfahrungen und daraus gewonnenen Ansichten und Ziele aus solchen Lebensläufen sicher nicht die Sichtweisen und Erfahrungen der Regierten.



Im PDF: Überblick der Berufe im dt. Bundestag
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200711BundestagGrundberufe.pdf361.95 KB