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Anonymität & Mut zur Autorenschaft

Verfasst von SmartChaos am 12. Februar 2008 - 22:26.

Anonymität hilft den Autoren, einen realen Alltag neben und unabhängig von ihrem kreativ-sinnlichem Leben zu führen. Es schützt sie vor Missverständnissen, persönlichen Angriffen und nicht zuletzt vor dem Interesse an ihrem Privatleben. Denn das Wissen um die Privatperson hinter einer Überlegung kann dem Leser schnell auch mal den Blick auf die Inhalte der Veröffentlichungen verstellen.

Zwar wird die Meinungsfreiheit in den Staaten der EU (und vielen weiteren) offiziell hoch gehalten. Folter und Gefängnis hat für seine Meinung niemand zu befürchten. Für die meisten strittigen Aussagen oder Behauptungen wird niemand eingesperrt, schlimmstenfalls harschen Beschimpfungen ausgesetzt. Andererseits gilt Anonymität als Zeichen der Feigheit. Sie führe zu Polemik und Denunziation, gerade Demokratie sei darauf angewiesen, dass jeder namentlich zu seiner Meinung stehe. So der eine Glaube.

Dieser Glaube darf hier gern diskutiert werden. Seinen Realnamen preiszugeben, steht jedem frei. Für privates Einerlei und Selbstdarstellung sind jedoch andere Community-Websites besser geeignet. Auf Smart-Chaos.net gibt es keine Freundeslisten und keine Suche, die sich an Avataren ausrichtet.
Ein Pseudonym ermöglicht es dem Leser, mehrere Veröffentlichungen dem gleichen Autoren zuzuordnen und sie in Zusammenhang zu setzen.

Unterstützt Anonymität den Mut zu Kreativität & These
oder zu Polemik & Denunziation?
Das Experiment wird's zeigen.

Es mag begründbare Überlegungen, Zuspitzungen oder Diskussionen geben (damit meine ich nicht unbedingt extremistische Ansichten) die wohl keinem "Denkverbot" unterliegen sollten – die zu publizieren aber kaum möglich ist oder unzulässig erscheint: So manche inhaltliche Provokation kann kreativitätsfördernd wirken. Sei es, dass die Überlegung noch nicht ausgegoren ist, oder dass sie gewohnten Mustern widerspricht und allein daher auf Widerspruch stoßen muss – so wie jener Glaube, dass Anonymität mit Feigheit gleichzusetzen sei. Im Gegenteil, die Verwendung von Pseudonymen hat so mancher Veröffentlichung erst die weite Verbreitung ermöglicht, wodurch sie zum Klassiker werden konnte.

Es gibt auch den praktischen Aspekt: Nicht jeder potentielle Arbeitgeber muss recherchieren können, welche politischen Ansichten der Bewerber vertritt. Die "öffentliche Person" muss sich ihre Privatsphäre schützen dürfen. Die Angst vor Blamage und persönlichen Angriffen ist für anonyme Autoren obsolet, das Namensschild an der Wohnungstür verheißt noch das Refugium dahinter. Und auch Verwechslungen, zu Zeiten da so mancher Namen recherchiert, können nicht geschehen (Wer nach meinem "Vor- Nachnamen" in üblichen Suchmaschinen sucht findet nur Veröffentlichungen, die conträr zu meinem Wissen und meinen Ansichten stehen, is' schon doof.)

Entscheidet selbst,
ob ihr Real-Namen oder Pseudonyme angeben wollt.
und diskutiert's im Forum

Dennoch vergesst bitte nicht: Nichts ist unmöglich. Auch wenn Smart-Chaos.net nichts dergleichen unterstützen oder unternehmen wird, bleibt es immer zumindest theoretisch möglich, die Identität der Autoren zu ermitteln. Man kann es den übers Maß Neugierigen aber möglichst schwer machen. Immerhin: Das größte Risiko tragen wir, die Betreiber – mal sehen, wie lange es dauert, bis der erste unterbeschäftigte Anwalt sein Salär mit einer Abmahnung gegen Smart-Chaos.net aufbessern will. Auf eines kann er sich verlassen: Seine Anonymität werden wir nicht wahren, etwaige Prozesse gegen Smart-Chaos.net werden in diesem Blog ausführlich dokumentiert werden.

Pseudonyme:

Willy Brandt = Herbert Ernst Karl Frahm
Daniel Defoe = Daniel Foe
Fernando Pessoa = Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Álvaro de Campos und Bernardo Soares
Mahatma Gandhi = Mohandás Karamchand Gándhí,
Theodor Heuss = Thomas Brackheim
George Orwell / H. Lewis Always = Eric Arthur Blair
Voltaire = François Marie Arouet
(Eine, reichlich anonym zusammengestellte Pseudonym/Realname-Liste bietet u.a. Wikipedia).